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Der
Namenstag unserer
Kirche. (Predigt am ersten
Adventsonntag 2003) Bei unseren Kindern ist es
heute wieder sehr
chic,
sich für ihren Namenstag zu interessieren. Unsere Generation hatte
die
Namenstage ja ziemlich unter den Tisch fallen lassen. Aber nicht nur
Menschen
feiern ihre Namenstage, es tun auch die Kirchen und nennen sie
Patrozinien.
Ich möchte heute mit Ihnen die Frage ansprechen: „Wann feiert eigentlich unsere Kirche und unsere Gemeinde ihren Namenstag?„ Im Anfang trug unsere alte Kirche den Namen S. Margareta. Im 16. Jahrhundert wurde sie den Neapolitanern deutscher Sprache zur Verfügung gestellt. Diese aber nannten ihre Bruderschaft nach römischem Vorbild S. Maria dell'Anima, denn damals machte man alles den Römern nach. Und von der Bruderschaft ging der Name allmählich auf die Kirche über, wie wir es heute noch auf Ischia mit der Kirche S. Anna und der Bruderschaft S. Rocco erleben. Also versuchen wir, in Rom unser Problem zu lösen. Woher hat die Kirche S. Maria dell'Anima in Rom ihren Namen? Da erinnere ich mich an den Besuch unseres Weihesemesters zum 40-jährigen Priesterjubiläum vor 4 Jahren in Rom. Der damalige Seelsorger der Kirche S. Maria dell'Anima – ich ahnte damals noch nicht, dass ich selbst einmal Seelsorger an einer Animakirche sein würde – zeigte uns seine Kirche. Wir fragten ihn auch, woher ihr Name käme und was er bedeute. Monsignore Gisbert Knopp sagte uns, dass man Genaueres darüber nicht wüsste. Er verriet uns aber eine Vermutung, die er selbst in seinem Buch über die Kirche nicht geäußert hatte. Belegt sei der Name seit dem 14. Jahrhundert. Er habe schon, bevor hier ein Krankenhaus für deutsche Pilger und diese Kirche erbaut wurde, an jenem Platze, vielleicht an einem Bildstock hier nahe bei der Piazza Navona gehangen. Diese Piazza war in der Antike eine Sportkampfbahn, lateinisch „agmina“, gewesen. Die Stätte der Verehrung der Mutter Gottes habe vielleicht S. Maria ad agmina, hl. Maria an der Rennbahn geheißen. Die Sportstätte zerfiel. Später wurde ein Platz daraus, dieser schließlich mit seinen Brunnen großartig gestaltet. Den Namen „agmina“ verstand man nicht mehr. „Anima“ klang viel frömmer. Und so bekam die Kirche den Namen „S. Maria dell’Anima“, ohne dass man sich viel dabei dachte.
Ähnliche
Bilder finden sich auch in unseren alten Urkunden. Obwohl sie damals
wussten,
dass für einen Geist Zeit und Ort keine Rolle spielten, hatten sie
über das
Fegefeuer sehr exakte räumliche und besonders zeitliche
Vorstellungen. Sie sind
für uns, für die nach Karl Rahner purgatorio die
schmerzvolle Scham im
Tode
über unsere Defizite ist, nicht nachzuvollziehen, ohne die
Solidarisierung
unserer Vorfahren mit ihren lieben Toten in dem Augenblick, in dem
diese tief
traurig unter ihren Versäumnissen leiden, gering zu achten.
Der Name unserer Kirche gibt also bei der Suche nach dem Patrozinium nichts her. Wir müssen einen anderen Weg wählen. Am besten schauen wir einfach einmal in unsere Kirche hinein, am besten in die alte, wie sie nahe der Universität stand und vor 100 Jahren abgebrochen wurde. Mit den Augen des Innsbrucker Kunsthistorikers Heinrich von Glausen sehen wir gleich beim Hereinkommen hoch über dem Altar ein Bild der Gottesmutter. Hoch über den Wolken schwebt sie unter den Augen des himmlischen Vaters über dem Mond und den Sternen. Zu ihren Füssen sehen wir den heiligen Antonius von Padua und den heiligen Paschalis Baylon. Sie schauen jetzt unwillkürlich über den Eingang zum Pfarrsaal und sehen, dass das Bild, das dort hängt, genau in den Rahmen des Bildes über dem Hochaltar passt, also früher, wie von Glausen beschreibt, über dem Hochaltar gehangen hat.
Das Motiv ist in der Kunst
nicht selten. Die
unirdische Darstellung der heiligen Maria will sie den Menschen zeigen
als Plan
Gottes, als seine wunderbare Idee, für seinen Sohn und für
die Menschen, im
ersten Augenblicke ihres Daseins. Die Theologen, die zu ihren
Füßen knien,
haben dies die „Unbefleckte Empfängnis“ Mariens genannt, Antonius
und
Paschalis.
Es waren übrigens alles Franziskaner, von denen hier die Rede war. Ihre theologische Schule, die manchmal nach Augustinus, manchmal nach des Scotus Lehrer Bonaventura oder Alexander von Hales, meist aber „scotistisch“ genannt wird, und sich gerne auf den Urvater Plato beruft, stand im ganzen Mittelalter in öfters freundschaftlicher Konkurrenz zu der meist mächtigeren Schule des Thomas von Aquin. Im 18. Jahrhundert, bevor das Bild gemalt wurde, entstammten die Seelsorger unserer Gemeinschaft meist einem der franziskanischen Orden. So müssen wir eine besondere Verehrung des Geheimnisses der Unbefleckten Empfängnis Mariens in unserer Kirche annehmen. Da ihr Bild über 200 Jahre lang unsere Kirche gekrönt hat, dürfen wir die ohne Makel der Erbsünde empfangene Gottesmutter Maria als unsere Patronin verehren und in 14 Tagen ihr Fest als Patrozinium feiern, oder als Kirmes, wie man im Rheinland sagt, übrigens zusammen mit den Kirchen von Köln und Moskau. |